Der lustige Modellbauer
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Mein H0-Fahrzeugpark

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Beitrag von Steffen70619 Do 01 Feb 2024, 18:57

Mehr oder weniger zufällig aus der Bucht gefischt habe ich einen mir bis dato unbekannten Tillig-H0-Wagen.
Nach Artikelnummer und Verpackung müßte er kurz nach der Übernahme der Sachsenmodelle-Formen entstanden sein.

Er stellt einen Reisezugwagen 2. Klasse, Typ Y/B-70 dar. Nach der polnischen Wikipedia wurden vom VEB Waggonbau Görlitz 1978 50 Stück und vom VEB Waggonbau Bautzen 1984 100 Stück an die PKP geliefert. Gegenüber den ca. 4.000 von der Pafawag und Cegielski gelieferten Y-Wagen ist das zwar eine verschwindend geringe Stückzahl, aber den einen oder anderen Wagen wird es schon in internationale Schnellzüge verschlagen haben.

Mein H0-Fahrzeugpark - Seite 4 Tillig10

Tillig 74813 - D-Zugwagen 2. Klasse PKP, Gattung Bd, Betriebs-Nr. 51 51 20-80 715-8, Rev.-datum: 14.08.85

Die dunkel-olivgrüne Farbgebung der PKP steht dem Wagen ausgesprochen gut zu Gesicht. Er paßt auch einigermaßen zu den Robo-Modellen der Cegielski-Y-Wagen, wobei letztere in der Detaillierung in der nächsthöheren Liga spielen.

Mein H0-Fahrzeugpark - Seite 4 Tillig11
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Beitrag von Steffen70619 So 11 Feb 2024, 23:40

Vor etwa 30 Jahren brachte die damals sehr aktive und erst wenige Jahre alte Firma Sachsenmodelle GmbH ein Modell des RIC-Schlafwagens der Sowjetischen Eisenbahnen (SZD) heraus.

Die RIC-Schlafwagen der SZD wurden vom VEB Waggonbau Görlitz in mehreren Ausführungen in knapp 1.000 Exemplaren gebaut und in die Sowjetunion geliefert. Die vom VEB Waggonbau Ammendorf an die SZD zu abertausenden Stück gelieferten sogenannten Weitstreckenwagen wiesen neben einem größeren Profil auch technische Abweichung auf und waren für den freizügigen internationalen Einsatz nicht geeignet.

Die RIC-Schlafwagen orientierten sich technisch an den UIC-Vorschriften, entsprachen aber mit einer LüP von 24,58m und einigen Abweichungen, so bei den Türen, keinem UIC-Typ. Hier also von einem Y-Wagen zu sprechen, ist daher falsch - ganz abgesehen, dass als UIC-Typ Y lediglich Wagen der 1., 1./2. und 2. Klasse sowie Liegewagen definiert waren.
Die Drehgestelle ließen sich relativ einfach durch Anheben des Wagenkastens gegen Breitspur-Drehgestelle tauschen,  was in der belorussischen Grenzstadt Brest geschah.
Für meinen Ost-West-Express kann ich zwei Sachsenmodelle- sowie den Piko-Wagen beisteuern.

Mein H0-Fahrzeugpark - Seite 4 Img_0422

Sachsenmodelle Art.-Nr. 14328, RIC-Schlafwagen SZD, Epoche IV, Gattung WLABm, Betriebsnummer 52 20 70-80476-3, Rev. 15.06.90

Wie bei Roco üblich, so hatte auch Sachsenmodelle den Wagen unter der gleichen Artikelnummer mit verschiedenen Betriebsnummern herausgebracht.
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Beitrag von Steffen70619 Sa 24 Feb 2024, 00:30

Habe mal nach längerer Zeit wieder meine Bücher durchgeblättert, in diesem Fall den Albert Mühl "75 Jahre Mitropa" sowie das EJ-Sonderheft dazu.
Erstmals so richtig aufgefallen ist mir dabei, daß bei der Mitropa nach 1945 eine ganze Reihe von ehemaligen CIWL-Stahlwagen verblieben sind. Diese ab 1922 gebauten Stahlwagen setzten mit ihrer Länge über Puffer von 23.452 mm und einem Drehzapfenabstand von 16.000 mm technisch neue Maßstäbe. Die Endstücke der Untergestelle bestanden aus großen Gußteilen, die durch aufgenietete Längsträger verbunden waren. Bis etwa 1930 waren die beiden inneren Längsträger durch Fischbauchträger verstärkt.

Glaubt man einschlägigen Foren, so sind während des zweiten Weltkrieges an die 90 dieser Stahlwagen durch die Wehrmacht requiriert worden.
Bei der Mitropa der DDR kamen nach meiner aus dem "Mühl" zusammengestellten Liste immerhin 24 Wagen wieder in Fahrt, darunter 3 Fährwagen in kürzerer Ausführung und mit schmalem Wagenkasten für England-Verkehre (CIWL-Typ F). Immerhin 22 Wagen erhielten noch eine EDV-Nummer. 8 Schlafwagen der Typen Y und F wurden zu Speisewagen umgebaut.
Die Wagen wurden in den siebziger Jahren ausgemustert, das Gros davon von 1973 - 1976.

Als Modell hätte ich diese Wagen kaum auf dem Schirm gehabt, wenn mir nicht in der letzten Zeit zwei Wagen der seinerzeit französischen Firma Jouef mit Mitropa-Beschriftung in die Hände gefallen wären. Da die Wagen aus einem Konvolut stammen, habe ich keine Artikelnummern. Der Schlafwagen ist schon etwas entkernt, für ein paar Machbarkeitsstudien zum Umbau als Speisewagen.

Mein H0-Fahrzeugpark - Seite 4 Mitrop11
Schlafwagen WLAB4üe, Mitropa, Epoche III, Betriebsnummer 054-104

Mein H0-Fahrzeugpark - Seite 4 Mitrop10
Speisewagen WR4üe, Mitropa, Epoche III, Betriebsnummer 055-010

Die Wagen sind maßstäblich lang, haben aber noch keine Kurzkupplungskulisse nach NEM. Die Wagennummern scheinen mir nicht so recht zu den Vorbildtypen zu passen. Auch sind die mitropaspezifischen Umbauten (Drehgestelle, Fensterteilung) nicht nachgebildet.

Die "echten" CIWL-Wagen konnte ich dann in der Bucht als 4-Wagen-Zug zu einem akzeptablen, noch zweistelligen Preis, ergattern. Mit dem Buch "Trains d' Exception" konnte ich die Wagennummern den CIWL-Typen zuordnen.
Da die Originalverpackungen fehlen, kann ich nicht mit den Artikelnummern dienen.

Mein H0-Fahrzeugpark - Seite 4 Ciwl-w10
Schlafwagen WL 3690, CIWL-Typ Y, Baujahr 1930 (Aytre)

Mein H0-Fahrzeugpark - Seite 4 Ciwl-w13
Speisewagen WR 2975, CIWL-Typ WR 56 pl., Baujahr 1927 (Reggi Emilia)

Mein H0-Fahrzeugpark - Seite 4 Ciwl-w11
Schlafwagen WL 3335, CIWL-Typ Z, Baujahr 1928 (Aytre), Abteilseite

Mein H0-Fahrzeugpark - Seite 4 Ciwl-w12
Schlafwagen WL 3335, CIWL-Typ Z, Baujahr 1928 (Aytre), Gangseite

Mein H0-Fahrzeugpark - Seite 4 Ciwl-w14
Schlafwagen WL 3552, CIWL-Typ Lx, Baujahr 1929 (Aytre), Abteilseite

Mein H0-Fahrzeugpark - Seite 4 Ciwl-w15
Schlafwagen WL 3552, CIWL-Typ Lx, Baujahr 1929 (Aytre), Gangseite

Wenn man sich die Wagen ansieht, so hat zumindest hinsichtlich Wagenlänge und Grundrissen die Mitropa einiges für ihre Neubeschaffungen ab 1927 übernommen.

Zum CIWL-Typ Lx gehörte wohl der Kurswagen nach Calais aus dem "Mord im Orient-Express" mit Albert Finney als Hercule Poirot.
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Beitrag von maxl Sa 24 Feb 2024, 08:45

Hallo Steffen, es ist immer wieder ein Genuss, deine Fotos zu sehen und Hintergründe zu erfahren.
Schön sind sie, diese alten Wagen!
Du hast dir ein sehr spezielles, eindrucksvolles Sammelfeld ausgesucht!
Eine Frage hätte ich zu den Fischbauchträgern:
Viele Wagen haben sie, andere nicht - bei ansonsten gleich wirkender Gesamtkonstruktion.
Du schreibst, dass man sie etwa ab 1930 nicht mehr benötigte. Wie erklärt sich das?

Beste Grüße
Michael
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Beitrag von Steffen70619 Sa 24 Feb 2024, 10:54

Tja, Michael, über Deine Frage kann ich, wenn auch mit gefährlichem technischen Halbwissen gewappnet, letztlich nur spekulieren. Die Fischbauträger oder Unterzüge sind mir erstmals bei den amerikanischen Wagen um die Jahrhundertwende aufgefallen. Dort wurde schon sehr früh zur genieteten Stahlbauart übergegangen.

Die mir zur Verfügung stehende Literatur ist leider bezüglich Wagenbau äußerst spärlich. Fast immer fehlen technische Konstruktionszeichnungen. Wenn im Bildarchiv der WUMAG nicht zahlreiche Bilder der Wagenrohbauten vorhanden wären, wüßte ich kaum etwas über die damalige Technologie.

Meine Hypothese ist, dass anfänglich Festigkeitsbedenken vorlagen. Man stieß hier immerhin in neue Längendimensionen vor. Und die CIWL-Wagen waren ob ihrer opulenten Ausstattung keine Leichtgewichte.
Ich denke, daß man ab 1930 mutiger wurde. Es lagen mehrjährige Betriebserfahrungen vor, und bei der "Konkurrenz", also der Mitropa, sind ab 1926 Wagen mit einer LüP von 23,50 m gebaut worden, und zwar ohne Unterzüge bzw. Fischbauchträger. Mutmaßen würde ich weiterhin, daß die Fußbodenbleche zum Tragen herangezogen wurden, und der Dachbereich konstruktiv verstärkt wurde.

Literaturquellen:
Dupuy/Toussirot: Trains d'exception; Èditions LR Presse 2022; ISBN 978-2-37536-054-5
Mühl: 75 Jahre Mitropa; EK-Verlag Freiburg 1992; ISBN 3-88255-674-9
Perret: Die Pullmann-Wagen; Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart 1986; ISBN 3-440-05612-0
Stöckl: Speisewagen; Motorbuch Verlag Stuttgart 1987; ISBN 3-613-01168-9
Deinert: Eisenbahnwagen; transpress VEB Verlag für Verkehrswesen 1967-1985

Internetquellen:
Wagonslits Homepage Forum
Code:
https://www.wagonslits.de
WUMAG-Bildarchiv
Code:
https://sachsen.museum-digital.de/index.php?t=listen&gesusa=157&instnr=83&cachesLoaded=true
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Beitrag von maxl Sa 24 Feb 2024, 14:09

Herzlichen Dank, Steffen, für deine Ausführungen und deine ehrliche Einschätzung, dass du hier, trotz fundierter Quellen, nur mutmaßen kannst.
Ich habe aber das starke Gefühl, dass deine Mutmaßungen in die richtige Richtung gehen...


Beste Grüße
Michael
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