Der lustige Modellbauer
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Die Preussen vor Wittenberg 1813 Baubericht

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Die Preussen vor Wittenberg 1813 Baubericht

Beitrag von Mr. Pett am Di 14 Nov - 9:23

Hallo Leute,

Es juckt mich in den Fingern möglichst bald mit diesem Diorama anzufangen. Also habe ich sämtlichen Schiffbau, der ja im Moment eh still liegt nach hinten geschoben und werde, sobald mein Artilleriediorama fertig ist, mit diesem anfangen.

Zum Projekt:

Dargestellt werden soll die dritte Belagerung Wittenbergs im Jahr 1813 durch ein preussisches Korps unter Friedrich Heinrich Bogislav Graf Tauentzien von Wittenberg, der die Bezeichnung *von Wittenberg* nach der Belagerung zugesprochen bekam. Tatsächlich wurde die Belagerung durch Leopold Wilhelm von Dobschütz ausgeführt, der heute noch in Wittenberg durch die Dobschützstrasse präsent ist.

Während der Befreiungskriege wurde Wittenberg erstmals im April durch ein preussisch- russisches Kontingent belagert und beschossen. Hierbei wurden die Coswiger- und die Schlossvorstadt teilweise von den Belagerern durch Artilleriebeschuss zerstört, teilweise als Schussfeldmassnahme von den Belagerten abgerissen. Vor dem Schlosstor liess man das ohnehin schon mit einer Redoute befestigte Hospital stehen, da es auf diese Weise als Ravelinersatz die Festungsmauer zwischen der Bastion Scharfes Eck und der Schlossbastion schützen konnte. Diese Belagerung wurde, nach der für die Alliierten verlorenen Schlacht bei Großgörschen am 02. Mai 1813, aufgegeben, um die gebundenen Truppen für andere Aufgaben einsetzen zu können.

Die zweite Belagerung fand Ende September nach der für die Koalition siegreichen Schlacht bei Grossbeeren statt. Wittenberg wurde wieder von preussischen und russischen Truppen eingeschlossen, denen sich auch ein englisches congreevsches Raketenkorps angeschlossen hatte. Man hatte gehofft, die Stadt im Handstreich nehmen zu können, was aber durch die aufmerksamen Verteidiger vereitelt wurde. Also richtete man sich auf eine längere Belagerung ein, errichtete feste Belagerungswerke und begann die Stadt mit Kanonen, Haubitzen, Mörsern und Raketen zu beschiessen. Diesem Beschuss fiel am 25. September der Turm der Schlosskirche zum Opfer, der in Brand geschossen und dadurch zerstört wurde. Lediglich die Aussenmauern blieben stehen. Als Napoleon von Düben kommend auf Wittenberg marschierte, gab man diese Belagerung zugunsten der schon lange geplanten Entscheidungsschlacht bei Leipzig auf.

Nach der siegreichen Völkerschlacht griffen die Alliierten die Elbfestungen, unter Anderem Torgau und Wittenberg an, um die Franzosen zu vertreiben. So kam es ab dem 26. Oktober zur dritten Belagerung Wittenbergs durch preussische Truppen. Wittenberg wurde vom 123. und 124. Linieninfanterieregiment, welche schon den Russlandfeldzug mit gemacht hatten, verteidigt. Unterstützt wurden diese Regimenter durch ein aus Versprengten gebildetes Infanteriebatallion, einigen Polen und Italienern sowie einer Handvoll portugiesischer Reiterei und den entsprechenden Artillerie- und Traineinheiten. Die Preussen verfügten über 5 Landwehrregimenter, ein Regiment Reserveinfanterie, 2 Regimenter Landwehrkavallerie und diverse Artillerieeinheiten. Hinzu kamen ca 150 Pioniere, die den Bau der Belagerungswerke und Laufgräben leiteten. Zuerst besetzte man die Befestigungsanlagen der vorherigen Belagerung von September und begann diese durch weitere Batterien und Laufgräben auszubauen. Die verteidigenden Franzosen hatten zu Beginn der Belagerung noch die artilleristische Oberhand, da die schwere preussische Belagerungsartillerie noch vor Torgau lag. Unter Anderem liessen sie zwei mit kleinen Mörsern bestückte Boote im Stadtgraben auf und ab fahren um die Preussen zu beschiessen und zu beunruhigen. Ein schönes Detail, welches auch auf meinem Diorama dargestellt wird. Dies machte es den Preussen sehr schwer, sich näher an die Befestigungsanlagen von Wittenberg heran zu arbeiten, da deren Artilleriestellungen von der schweren französischen Festungsartillerie immer wieder empfindlich demontiert wurde.
Nachdem endlich mehrere 50-Pfund Mörser von Torgau kommend die Belagerungsartillerie verstärkten, gewann man langsam die artilleristische Oberhand und fing an die Verschanzungen des vorgelagerten, schon einmal erwähnten, Hospitals zu demontieren, um dieses schließlich in der Silverstenacht 1813 zu stürmen. Genau dieser Sturm des Krankenhauses soll mit dem Begleitumständen der Belagerung auf dem Diorama gezeigt werden.
Die Franzosen eroberten das Hospital zweimal zurück. es verblieb aber schliesslich in preussischer Hand. Ausgehend vom Krankenhaus fingen die Belagerer an, eine sogenannte zweite Parallele zu den Festungsmauern zu eröffnen. Von dort aus legte man an der Nordseite der Bastion Scharfes Eck die Breschierbatterie an, welche eine Bresche in die Stadtmauer schiessen sollte, um diese stürmen zu können. Es kam den Preussen zugute, daß der Wassergraben, durch die seit dem 03. Januar einsetzenden scharfen Fröste, zugefroren war. Die Franzosen konnten diesen wegen der Überlegenheit der preussischen Artillerie nicht mehr eisfrei halten, womit das grösste Annäherungshindernis für die Angreifer beseitigt war. Wittenberg wurde in der Nacht vom 12. zum 13. Januar erst unter Generalbeschuss genommen und anschliessend gestürmt. Dabei fanden ca. 100 preussische Soldaten und Offiziere den Tod. Insgesamt sind an die 400 Preussen während der Belagerung gefallen. Von den Franzosen gibt es keine verlässlichen Zahlen. Allerdings waren von über 3000 Mann Besatzung nur noch an die 2000 kampffähig, ca. 800 lagen in den Lazaretten, der Rest war gefallen oder desertiert. Wittenberg kam trotz Sturm relativ glimpflich davon, da General von Dobschütz seinen Truppen das Plündern der Stadt untersagt hatte, was zu dieser Zeit eher unüblich war. Die Stadt dankte es ihm, indem sie sein Andenken bewahrt hat und die Dobschützstrasse nach ihm benannte. Graf Bogislav von Tauentzien, der als Oberkommandierender die Belagerung von Kemberg aus *leitete*, erhielt den Beinamen von Wittenberg, während Dobschütz sich von nun an Befreier von Wittenberg nennen durfte. Gouverneur Jean François Cornu de Lapoype, der auf französischer Seite der Befehlshaber gewesen ist, wurde gefangen genommen und kehrte 1814 nach der Abdankung Napoleon Bonapartes nach Frankreich zurück.

Das Diorama wird auf einer gesamten Größe von 235 x 135 cm, aufgeteilt auf drei Teilplatten, gebaut. Baubeginn wird Anfang 2018 sein, indem erstmal ein Übungsdiorama mit einem Teil der Stadtbefestigung und danach eines mit Belagerungsstellungen erstellt wird. Die geplante Bauzeit beträgt ??? Jahre.
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Re: Die Preussen vor Wittenberg 1813 Baubericht

Beitrag von DickerThomas am Mi 15 Nov - 9:53

Hallo Matthias, Winker 2

bei so einem Projekt scvhaue ich bestimmt zu.. und es gibt sehr viel historisches Input.. Cool Twisted Evil Twisted Evil
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Re: Die Preussen vor Wittenberg 1813 Baubericht

Beitrag von Mr. Pett Gestern um 11:25

Da der Baubeginn immer näher rückt, will ich hier einmal zeigen, wie eine Wallanlage zur Zeit der napoleonischen Kriege normalerweise gebaut war. Es gab natürlich auch Abweichungen und andere sogenannte Manieren des Festungsbaus, aber dies ist die gebräuchlichste, weshalb ich annehme, daß sie auch in Wittenberg in dieser Weise Verwendung fand. Ich bitte zu beachten, daß ich kein Historiker, sondern Modellbauer bin. Jegliches Wissen habe ich durch Lektüre relevanter Bücher und Aufsätze erworben und gebe es hier gesammelt und zusammen gefasst wieder. Insofern erhebe ich keinen Anspruch auf unbedingte Korrektheit, versichere aber, dass ich meine Beiträge nach bestem Wissen erstelle.

Als Legende:

1 = Hauptwall aus Erdwerk und gemauerten Einfassungen. Man baute die Wälle aus Erde, weil sich Erdwälle als viel beständiger gegen Artilleriebeschuss erwiesen. Der Wall überragte die Mauerkrone meist übermannshoch, um die Geschütze und deren Bedienungen gegen Beschuss zu decken. Um selber schiessen zu können, schnitt man bei Bedarf Scharten in den Erdwall, die trichterförmig und leicht abfallend nach aussen verliefen. Beim Schneiden dieser Scharten musste darauf geachtet werden, das das Glacis, welches die Wallanlage feindwärts abschloss unter Beschuss genommen werden konnte (gestrichelte Linie in der Zeichnung).

2= Wallgang oder Zwinger. Dieser Weg führte einmal um die gesamte Befestigung herum und ermöglichte es den Belagerten die gemauerten Teile des Walls zu inspizieren und ggf auszubessern, damit keine Bresche im Wall entstand. Auf einigen Bildern der Wittenberger Befestigungen wird dieser Wallgang nicht abgebildet. Dies liegt m.E. daran, daß diese Bilder die Festung nach der Modernisierung durch die Preussen zeigen. Nach der Belagerungskarte von Major Vogel in seinem Buch über die Belagerung Torgaus und Wittenbergs hatte die Wittenberger Festungsanlage in der Franzosenzeit durchaus noch einen Wallgang.

3= Escarpe. Diese Mauer diente zur Grabenbefestigung. Für Festungsgräben galt folgende Faustregel. Trockener Graben = schmal und tief, gefluteter Graben = breit und recht flach (hierfür galt die sogenannte militärische Wassertiefe von ca. 1,8 Metern).

4= Contrescarpe. Auch diese Mauer diente der Befestigung des Grabens, damit die Grabenwände nicht durch Regen oder das Grabenwasser aufgeweicht wurden und in den Graben rutschten. Gleichzeitig bildete die Oberkante der Mauer einen Teil des sogenannten gedeckten Weges.

5= Gedeckter Weg. Dieser Weg umlief ebenfalls die gesamte Festung. Gedeckt wurde er durch die Rückseite des Glacis, welches aus dem Grabenaushub gebaut wurde. Der gedeckte Weg war oft durch sogenannte Poternen (unterirdische Gänge) mit der Hauptfestung verbunden, damit Truppen zur Verteidigung des Glacis ungesehen und unbeschadet Ihre Stellungen erreichen konnten. Gleichzeitig fanden sich sogenannte Waffenplätze, an denen man Truppen für geplante Ausfälle konzentrierte, die dann für den Feind hoffentlich überraschend, aus mehreren Richtungen auf dem Schlachtfeld erscheinen konnten. Es war immer das erste grosse Ziel bei Belagerungen diesen gedeckten Weg einzunehmen, weil man damit erstens den Feind in seiner Festung fest nagelte und zweitens die Gelegenheit bekam, die Breschbatterie zu errichten.

6= Bankett. Oder auch Schützenauftritt. Hier konnte der Belagerte seine Soldaten zur Verteidigung des Glacis postieren. Das Glacis bildete dabei eine Brustwehr, so das die Soldaten gegen Beschuss gedeckt waren.

7= Glacis. Wurde wie schon erwähnt aus dem Aushub des Festungsgrabens gebaut. Zur Festung leicht ansteigend, sollte es die Annäherung an den Graben erschweren. Da dies allein durch eine Steigung nicht zu erreichen war, wurde das Glacis zusätzlich durch Palisaden, Sturmpfähle, Wolfsgruben und Flatterminen (pulvergefüllte Kistchen, die mit einer Zündschnur zur Explosion gebracht wurden) geschützt. Da sich die Schusslinie der Festungsartillerie am horizontalen Verlauf des Glacis orientierte, baute man nach Einnahme des gedeckten Weges die Breschbatterie direkt in das Glacis hinein, da sich die Batterie dann im toten Winkel der Festungsartillerie befand und so relativ ungestört ihr Vernichtungswerk verrichten konnte.

Nach diesem *Bauplan* wird zuerst ein Teilmodell gebaut, damit beim eigentlichen Bau der geplanten Festungsanlage (demnächst werde ich einen Plan dazu hier einstellen) keine Überraschungen auftreten.

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Re: Die Preussen vor Wittenberg 1813 Baubericht

Beitrag von kaewwantha Gestern um 18:38

Hallo Matthias,
auch der Baubericht ist ergänzt.
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