Der lustige Modellbauer
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Gaffelkutter Rigmor v Glueckstadt

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Gaffelkutter Rigmor v Glueckstadt

Beitrag von Gast am Mi 13 Mai 2009, 21:38



Auf diesem Bilde sind links die "Wilhelmine von Stade" und rechts die "Rigmor von Glueckstadt" zu sehen.

Zur "Wilhelmine" ist folgendes zu sagen:

B e s a n e w e r

Bauwerft Jacobs-Werft, Moorrege
Typ Besanewer, Stahl
Baujahr 1912
Länge über alles 25,00 m (Rumpflänge: 20 m)
Breite 4,10 m
Vermessung 65 tdw
Antrieb bis 1997 Vierzylinder-Jastram-Motor 60 PS
Verdrängung 35 t
Restauriert 1982-1985 (Rückbau Originalmaße)
Heimathafen Stader Hafen

Der Besanewer wurde 1912 von der Jacobs-Werft in Moorrege bei Uetersen für den Schiffer Hermann Haack gebaut. Getauft wurde der Ewer auf den Namen seiner Frau " Wilhelmine". Nach den zweiten Weltkrieg übernahm der Sohn Klaus den inzwischen verlängerten und erhöhten Ewer. Das Schiff fuhr hauptsächlich auf der Elbe und seinen Nebenflüssen. Nach einer weiteren Verlängerung in den fünfziger Jahren fuhr der Ewer inzwischen ohne Masten als reiner Motorfrachter. Als Binnenschiff befuhr er alle norddeutschen Kanäle bis zum Ruhrgebiet. 1976 stellte Klaus Haack die unrentabel gewordene "Wilhelmine" außer Dienst. Das Schiff ging in den Besitz von Karl Meyer aus Wischhafen über. Er ließ das Schiff für persönliche Zwecke umbauen. 1978 gab er das Schiff zur Nutzung an den Jugendclub Neuwiederthal ab. 1981 verkaufte er das Schiff für die symbolische Mark an die Stadt Stade, die den Ewer von 1982 bis 1985 mit erheblichen Kostenaufwand vor allen von Jugendlichen in rund 22000 Arbeitsstunden restaurieren ließ. Dabei wurde der Ewer wieder auf die Originalmaße zurückgebaut. Im Frühjahr 1985 war sie wieder segelklar





Hier auch noch die Erklaerung,was ein "Ewer" ist und welche Bedeutung diese Schiffe hatten.

Auch Ever - von der niederländischen Envarer (Einfahrer) herrührende Schiffsbezeichnung, wahrscheinlich friesischen Ursprungs, die auf das von einem Mann gefahrene Schiff zurückgeführt wird. Der Ursprung lässt sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen.

Die ältesten schriftlichen Überlieferungen liegen in einem Zolltarif aus dem Jahre 1252 von Damme in Flandern und von Kaufverträgen in Hamburg aus dem Jahre 1299 vor, in denen bestimmte Fahrzeuge als ''Envar'' bezeichnet werden.

Auch im 14. Jh. waren es noch relativ kleine, jedoch schon seegehende Fahrzeuge. Während der Hansezeit und im 15. Jh. wurde ein kielloses, flaches und geräumiges Lastschiff für etwa 50 Lasten (100 t) Ewer genannt. Im 18. Jahrhundert. behielt man den flachen, kräftigen Boden bei, er wurde jedoch vorn und hinten stärker hochgezogen.

Der Ewer des 19. Jahrhundert war ein Mehrzweckschiff, das in großer Zahl gebaut wurde. Auf der Niederelbe sollen in der Zeit von 1830 bis 1910 mindestens 2.000 Frachewer entstanden sein.

Ewer fuhren einmastig als Pfahl-Ewer mit einem feststehendem Mast, einem großen Rah- oder einem großen Gaffelsegel. Neuere Ewer wurden in größerer Zahl als anderhalbmastige Besan-Ewer als Ketschen mit Gaffelsegel an beiden Masten gefahren.


Nun aber zum dahinterfahrenden Schiff,die "Rigmor von Glueckstadt!




Die RIGMOR ist das älteste fahrtüchtige Segelschiff Deutschlands. Nach einer wechselvollen Geschichte, die 1853 als stolzer Zollkreuzer No.5 begann und sich später als Steinfischer in Dänemark fortsetzte, ist sie am 11. Oktober 1992 an ihren Entstehungsort Glückstadt zurückgekehrt. Hier wurden in mühevoller Kleinarbeit von vielen freiwilligen Helfern Leckagen beseitigt.
Auf der Werft von Erich Dawartz in Tönning wurde der Rumpf sodann grundlegend und denkmalgerecht saniert.
Seit 1993 steht die RIGMOR unter Denkmalschutz. Das Schiff wurde zunächst als "Technisches Kulturdenkmal" in die Denkmalliste Schleswig-Holsteins aufgenommen. 1998 wurde sie dann, nach erneuter Prüfung, ins Denkmalbuch des Landes Schleswig-Holstein eingetragen.
Im Mai 1999 wurde die RIGMOR nach Elmshorn überführt und im Rahmen einer Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahme des ÜAZ Elmshorn in der neu gegründeten Museumswerft von Jugendlichen weiter restauriert. Das Projekt wurde Ende März 2001 abgeschlossen. Seit dem 1. Juni 2002 fährt die RIGMOR unter Segeln von Glückstadt aus auf die Elbe und bietet Törns sowohl für Gruppen als auch für Jedermann an. Gesegelt wird die RIGMOR von ehrenamtlich tätigen Mitgliedern des [Fördervereins RIGMOR von Glückstadt e.V.]. Darüber hinaus nimmt die RIGMOR regelmäßig an maritimen Veranstaltungen wie z.B. der Kieler Woche teil.

Technische Daten (heutiger Stand)
Rumpflänge 15,90 m
Größte Breite 3,85m
Tiefgang 1,45 m
Länge über alles 21,25 m
Segelfläche 129 m²
Motor: Bukh-Diesel 64 PS



Die Geschichte der RIGMOR
Die "RIGMOR von Glückstadt" wurde 1853 in Glückstadt an der Elbe gebaut und ist das älteste fahrtüchtige Segelschiff Deutschlands.
Sie wurde als Kutter mit geringem Tiefgang konstruiert, um auch in flachen Gewässern noch manövrierfähig zu sein, was für ihren Einsatz als Zollkreuzer sehr wichtig war. Zur Gewährleistung ihrer vollen Segelfähigkeit hoch am Wind brachte man zum Ausgleich 2 Seitenschwerter an.
Das Schiff wurde als Zollkreuzer No.5 auf der [Werft Johann Paul Schröder] in Glückstadt für das [Königlich Dänische Kreuzzollwesen] gebaut.
Die Aufgaben des Zollkreuzers waren die Überprüfung und Durchsuchung ankommender Schiffe auf zollpflichtige Waren und die Bekämpfung des Schmuggels. Dazu war das Schiff mit einer Falconette (eine leichte Bordkanone) und mit Gewehren ausgerüstet, um verdächtige Schiffe zum Beidrehen zu zwingen. Ferner gehörte ein Beiboot zur Kontrolle von flachen Häfen und Prielen (den Wasserläufen im Watt) zur Standardausrüstung. Zur Besatzung gehörte neben dem Kapitän G. J. Matzen als Kreuzzollassistent noch ein Kreuzzollbediensteter und vermutlich 2-3 Seeleute. Das Einsatzgebiet des Schiffes war in der Schmaltiefe bei der Insel Amrum an der nordfriesischen Küste, wo es bis zum Beginn des Krieges zwischen Dänemark und Preußen stationiert war.
Im Herbst 1864 wurde der Kutter No.5 zusammen mit anderen beschlagnahmten Zollkreuzern von den Preußen von Hamburg aus zum Begutachten und Verkaufen nach Wyk auf Föhr gebracht. Das Schiff wurde ausgemustert und nicht in das neue preußische Zollwesen übernommen. Am 6. Juni 1865 wurde es in Wyk öffentlich versteigert.
G.J.Matzen ersteigerte sein altes Schiff für wenig Geld und baute es unter dem Namen TREUE zum Frachtsegler um. Als solcher blieb es bis 1874 im nordfriesischen Wattenmeer und diente als Austerntransporter zwischen den Inseln und dem Festland. Dann wurde das Schiff nach Dänemark verkauft und erhielt den Namen HANNA. Dort wechselte es noch mehrfach Besitzer und Namen. Eine genaue Liste folgt am Berichtsende.
1917 wurde das Schiff wieder verkauft und von seinem neuen Besitzer C. Christensen unter dem Namen RIGMOR zum Steinfischer umgerüstet. Steinfischer sind bis heute kleine Schiffe mit wenig Tiefgang und guter Seetüchtigkeit. Sie werden für Baggerarbeiten, Taucherei, Wrackfischerei, Saug- und Spülarbeiten in flachen Gewässern oder in kleinen Häfen eingesetzt.
1970 entdeckte der Glückstädter Joachim Kaiser bei einer Segeltour in Dänemark die RIGMOR, die als Steinfischer die Hafeneinfahrt von Hesnaes auf Falster ausbaggerte. Da Fotos alter Segelschiffe sein Hobby waren, und die RIGMOR sichtlich ein alter hölzerner Segler war, fotografierte er das kleine Schiff, verfolgte seine Geschichte aber noch nicht weiter. Einige Jahre später erfuhr er von einem Freund, daß in den Schiffspapieren der RIGMOR als Bauwerft Schröder in Glückstadt angegeben war - das Interesse an dem historischen Schiff erwachte.
1984 beendete der damalige Besitzer E. Olesen die Steinfischerei. Das Schiff war mit der geringen Traglast von 35 t nicht mehr wirtschaftlich. Er verkaufte es an einen Freizeitsegler, der die RIGMOR aber nicht erhalten konnte - das Schiff begann zu verkommen.
In Glückstadt hatte J.Kaiser sich inzwischen mit der Geschichte der RIGMOR befasst und zusammen mit anderen Liebhabern alter Segelschiffe in mühevollen Recherchen herausgefunden, daß sie das älteste in Deutschland gebaute Segelschiff war. Es bildete sich ein Interessengemeinschaft, die das Schiff für Glückstadt kaufen und restaurieren wollte.
1992 war es dann soweit, und am 11. Oktober 1992 lief die RIGMOR als Glückstädter Schiff wieder in ihren Geburtshafen Glückstadt ein.



Hier nun die Liste der Namen und Eigner der RIGMOR von ihrem ersten Stapellauf 1853 bis zum zweiten Stapellauf 2002:
Name Heimathafen Eigentümer Funktion Von - Bis
No. 5 Amrum Kgl.Dän.Kreuzzollwesen Zollkreuzer 1853-1865
TREUE Amrum G.J.Matzen Austerntransport 1865-18 74
HANNA Ribe C.K.Thygesen Frachtschiff 1874-1885
ANNA CHRISTINE Egernsund C.K.Thygesen Frachtschiff 1885-1887
ST. FERNANDE Heils C.K.Berg Frachtschiff 1887-1911
TVENDE BROEDERE Kolding P.P.Skag Frachtschiff 1911-1916
TVENDE BROEDERE Vejle Hans-Peter Christoffersen Frachtschiff 1916-1917
RIGMOR Vejle C.Christensen Steinfischer 1917-1921
RIGMOR Aarhus A.K.Tingskov Steinfischer 1921-1923
RIGMOR Horsens P.M.Christiansen Steinfischer 1923-1954
RIGMOR Espergaerde E.Olesen Steinfischer 1954-1985
RIGMOR Hundestedt H.Barsballe Freizeit-Schiff 1985-1987
RIGMOR Hellerup T.K.Brooks Freizeit-Schiff 1987-1992
RIGMOR Glückstadt Förderverein RIGMOR von Glückstadt Museumsschiff ab 1992



Schon beeindruckend,wie viel man doch ueber solch ein verhaeltnissmaessig kleines Schiff erfahren kann.

Viel Spass beim Lesen. Winker 2

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Re: Gaffelkutter Rigmor v Glueckstadt

Beitrag von John-H. am Mi 13 Mai 2009, 21:48

Der Bericht ist Toll Helmuth, leider kann ich keine Bilder sehen, wird wohl wieder mal der Server hacken!!!
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Laune : Kommt drauf an, aber meist heiter!

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Re: Gaffelkutter Rigmor v Glueckstadt

Beitrag von Gast am Mi 13 Mai 2009, 21:50

John,versuch die Seite mehrmals zu aktualisieren.
So hats auf alle Faelle bei mir funktioniert.

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Re: Gaffelkutter Rigmor v Glueckstadt

Beitrag von Gast am Mi 13 Mai 2009, 21:54

so, auch durch, Helmuth, gibbet das auch als Hörbuch??? Wink

Was du alles rausfindest ist ja schon enorm, dafür gibbet das hier Zehn Zehn Zehn

nur leider werd ich mir die dazugehörigen Bilder erst anschauen können, wenn der Server sie frei gibt :cry:

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Re: Gaffelkutter Rigmor v Glueckstadt

Beitrag von John-H. am Mi 13 Mai 2009, 21:54

Ja Helmuth den Trick kenne ich auch aber die Bilder kommen höchstens zur hälfte!!!

Ich warte noch ein wenig, später kann man sie dann bestimmt im vollen Umfang betrachten!
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Re: Gaffelkutter Rigmor v Glueckstadt

Beitrag von kaewwantha am Mi 13 Mai 2009, 22:29

Hallo Helmuth,
tolle Bilder von den Schiffen und auch einwandfreie Informationen die Du uns hier gibst.
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